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One Low 1966 Chevrolet

„Cool Caprice“
One Low 1966 Chevrolet

by Michael Schmidbauer
1966 Chevrolet Caprice Hardtop Coupé Lowrider

Die Modellgeschichte von Chevrolet ist voller großer Namen, die jahrzehntelang Garanten für Topseller waren. Dabei wurde die Modellpalette stetig nach oben hin erweitert. War Mitte der 50er-Jahre noch der Bel Air der Cadillac des kleinen Mannes, setzte man ab 1958 mit dem Bel Air Impala noch einen drauf; schon ein Jahr darauf wurde er in einer eigenständigen Serie angeboten. Ähnlich ging Chevrolet bei der Einführung eines neuen, luxuriösen Flaggschiffes Mitte der 60er-Jahre vor. 1965 tauchte der Name „Caprice“ zum ersten Mal in den Verkaufsprospekten auf. Damals ahnte sicher niemand, dass dies der Startschuss für das Chevrolet-Topmodell der nächsten 30 Jahre bleiben sollte.

1966 Chevrolet Caprice Hardtop Coupé Lowrider

Die breite Fensteröffnung ohne B-Säule fällt bei den Caprice Modellen wegen der Dachform formaler aus als bei den Sport Coupés.

Unter „RPO Z18“ fand sich in jenem Jahr die Option für den „Caprice Custom Sedan“ im Bestellformular ausschließlich für das Modell 16439, den viertürigen Impala Sport Sedan ohne B-Säule. Neben rein optischen Aufwertungen war zur Steigerung des Fahrkomforts der Rahmen versteift und ein anderes Fahrwerk verbaut worden. Nach dem durchschlagenden Erfolg des Caprice und der Tatsache, dass auch die Konkurrenz von Ford mit ihrem LTD im luxuriösen Segment Fuß gefasst hatte, entschied man sich dafür, ab dem Modelljahr 1966 eine eigenständige Serie einzuführen. Der Caprice war als zweitüriges Coupé, viertüriger Sport Sedan und als Kombi in zwei Varianten – als Sechs- oder Neunsitzer – bestellbar, exklusiv nur mit V8 bestückt. Dabei galt das Coupé stilistisch gesehen als Besonderheit, denn es handelte sich nicht einfach nur um einen besser ausgestatteten Impala: Man hatte den Neuling mit einer völlig anderen Dachform versehen. Während die Impala und Impala SS Coupés weiterhin das sportlich fließende Dach des vorherigen Jahrgangs trugen, erhielt das Coupé, um den luxuriösen Charakter des Caprices zu unterstreichen, ein förmlicher anmutendes Dach mit einem leichten Knick und wesentlich breiteren C-Säule, was auch zu einer völlig anderen Form des hinteren Seitenfensters führte. Dieses Erkennungsmerkmal blieb nur zwei Jahre exklusiv für den Caprice vorbehalten, denn bereits 1968 konnten Impala-Käufer zwischen einem sportlichen oder einem formalen Dach wählen.

Heutzutage begegnet man in der Lowriderszene hauptsächlich den Impalas, die allgegenwärtig zu sein scheinen. Dass sie seit jeher in der Überzahl sind, liegt dabei natürlich auch an deren Verkaufszahlen, die in den 60er-Jahren weitaus höher lagen als die der deutlich teureren Caprices. Insgesamt 774200 Impalas und Impala SS’ standen 1966 181000 Caprice gegenüber. Gut zwei Jahre ist es nun her, dass Yasin bei einer Internetrecherche über das hier gezeigte Caprice Coupé stolperte. Der gelernte Industriemechaniker und CNC-Fräser aus dem schwäbischen Nürtingen machte sich damals auf die Suche nach einem Chevy-Fullsize-Modell von 1965 bis 1969, wichtigste Voraussetzungen: Es sollte ein zweitüriges Hardtop Coupé werden und eine solide Basis haben, also kein Spachtelbomber. Denn Yasin wollte den Wagen schließlich umbauen und fahren und nicht erst restaurieren müssen. Gefunden hat er schließlich einen unrestaurierten, rostfreien Caprice mit weißem Exterieur und dem damals sehr beliebten blauen Interieur. Die solide Technik befand sich ebenfalls in feinstem Originalzustand, ein 327cui-Turbo-Fire-V8 mit 275 PS und eine Zweigang-Powerglide-Automatik sorgen für ruhigen und doch kraftvollen Vortrieb. Es bedurfte lediglich einer kleinen Auffrischung. So ist der 51 Jahre alte Lack verständlicherweise an manchen Stellen nicht mehr der beste, verstärkt aber den absolut authentischen Eindruck, den dieses Coupé vermittelt.

Im Stuttgarter Umfeld hat sich die letzten Jahre in Sachen Kustom- und Lowriderszene einiges getan, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass Yasin von vornherein plante, dem Caprice ein anderes Image zu verpassen. Die Aufnahmen für ein Airridesystem baute sich Yasin in Eigenregie, das System selbst stammt von Airride Technologies und wird durch Carling-Switches gesteuert. Damit erhielt der Wagen schon mal die richtige Fahrhöhe. Die passenden Felgen hatte Christian Rühle von OSCW (Oldschool Custom Works) parat. Da ich mich letztes Jahr zum Night Cruise angekündigt hatte, um eine Story für das Kustom Life Magazine zu machen, setzte Yasin einen Hilferuf in der S.L.I.G. ab und siehe da, Christian Rühle hatte etwas Passendes auf Lager. Er lieh sie ihm vorerst, aber es war von vornherein klar, dass der Deal bereits stand. Die Reversed Wire Wheels rollen, wie es sich für einen traditionellen Lowrider gehört, auf stilechten 5.20s von Coker Tyres. Der schön erhaltene und luxuriöse Innenraum blieb weitgehend unangetastet, lediglich ein paar Zusatzinstrumente, die die Wassertemperatur überwachen und das Niveau der Airride regulieren, fanden eine neue Heimat im Caprice. Dazu gesellt sich ein Must-have-Accessoire: die Ventian Blinds an der Heckscheibe. Da diese nur selten für einen Caprice angeboten werden, besorgte sich Yasin welche für 65er/66er-Impalas und passte die Halterungen entsprechend an. Für die Zukunft hat Yasin eine neue Lackierung im Auge, die Zeit bis dahin nutzt er allerdings, um so viel zu cruisen, wie es geht. So findet ihr ihn jeden Samstagabend bei der Stuttgarter Cruise Night!



Fotos & Text: Michael Schmidbauer

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