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MAROON 4

by Michael Schmidbauer
1929 Ford Model A, Pre-War Hot Rod

1929 Ford Model A

1929 Ford Model A, Kühlergrill

Das Model A trägt seinen originalen Kühlergrill von 1929, oft werden sie durch ein Pendant von 1932 ersetzt.



Das das Ford Model A damals ein Verkaufsschlager war und heute eines der beliebtesten und wohl am meisten verfügbare Vorkriegsmodel ist, ist nun wahrlich kein Geheimtip mehr. Seit Anbeginn der Hot Rod Zeitrechnung stand es ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Hohe Stückzahlen, zuverlässigere Technik als noch im Model T und auch mehr Platz als eben jenes, verspricht es seit jeher eine gute Basis für jegliche Wünsche und Stilrichtungen der Hot Rod Gemeinde zu sein. Lange Zeit wurde es seiner Originalmotoren beraubt um Flatheads oder Chevy Smallblocks Platz zu machen und für den nötigen Vorschub zu sorgen. Oftmals zu unrecht, denn die kleinen 4-Zylinder Motoren hatten und haben durchaus Potential. Das geringe Gewicht und der vergleichsweise geringe Hubraum machen sie zumindest im Vergleich zu den ebenfalls aus dem Hause Ford stammenden Flathead V8’s durchaus Konkurrenzfähig. Mit dem auch Hierzulande wiedereinsetzenden Interesse an authentischen Autorennen, erleben auch die traditionellen Vorkriegsmotorisierungen wieder zunehmenden Anklang. Speed Equipment gibt es auch für die Vierzylinder, wenngleich dies kein besonders günstiges Vergnügen ist. Doch dem wahren Enthusiasten wird dies nicht aufhalten.

1929 Ford Model A, Model T Nachfolger

Das Ford Model A war das erste wirklich neue Model von Ford seit knapp 19 Jahren. Es löste das legendäre Model T ab, welches über die Jahrzehnte jeweils nur minimal verändert wurde. Das Design des Model stammte von Edsel Ford und Joe Galamb und basiert auf einem verkleinerten Lincoln.

Für Lukas aus der Holledau, der weltgrößten Zusammenhängenden Hopfenregion, waren es zum Beginn seines wachsenden Interesses am alten Blech auch eher die gechoppten, gechannelten Hot Rods die mit großen V8 Motoren röhrend sogar dem durchschnittlichen DMAX Zuschauer ein Begriff waren. Doch so einfach wollte er es sich nicht machen, knapp 10 Jahre beobachtete er die Szene, lass sich in die Materie ein und sprach mit den Leuten bevor er Zuschlug. Über die Rollerszene bekam er Kontakt zu Baumi, der ihn in seinem Vorhaben bestärkte, ihm viel Input zu diversen Autos gab und ihm schließlich auch beim Kauf mir Rat und tat zur Seite stand. Die Richtung in die es gehen sollte, stand zu diesem Zeitpunkt schon fest: Ein authentischer Vorkriegs Hot Rod mit 4-Banger, wie die kleinen 4-Zylinder liebevoll genannt werden.

4,5x16“ 52 Speichen Wire Wheels

Die Firestone Diagonalreifen wurden auf 4,5×16“ 52 Speichen Wire Wheels montiert. Schön zu sehen: Der freie Blick auf den 4-Banger Motor

Der Ford kam 2012 aus den USA nach Deutschland in die Holledau in einen Nachbarort nicht weit weg von Lukas’ Elternhaus. Der dortige Besitzer konnte scheinbar nicht allzu viel damit anfangen, verkaufte er ihn doch schon 2013 wieder in Richtung Brandenburg. Genau in die Region in der das deutsche Herz der authentischen Rennszene pocht, dort wollte sich Jemand den Traum eines eigenen Rennwagens erfüllen, konnte dies jedoch nicht so wirklich umsetzen. So stand das angefangene Projekt schon 2014 wieder zum Verkauf im Internet wo ihn Lukas schließlich fand. Nach kurzer Rücksprache mit Baumi, war klar, der Preis ist okay und einer Besichtigung stand nichts mehr im Wege. Ein paar Stunden und Kilometer weiter, wurde das Model A schließlich in Augenschein genommen und bis auf heftiges Lenkspiel und der maroden Elektrik für gut empfunden. Nach einer Woche war der Deal perfekt und der alte Ford kam zurück in die Holledau. Und dieses Mal fand es den richtigen Besitzer.

Angefangen zu Schrauben hat Lukas zusammen mit einem Freund im zarten Alter von 15 Jahren, Vespas standen damals hoch im Kurs als erster fahrbarer Untersatz. Da in der heimischen Garage bei den Eltern genügend alte Fahrzeuge rumstanden, war auch immer mehr als genug Material zum Schrauben da. Der Sprung in die Scooterist Szene war somit vorprogrammiert, wodurch Schrauben und Restaurieren natürlich nicht mehr wegzudenken war. Richtig gelernt hat er die Schrauberei über seinen Vater, mit dem er seitdem auch immer noch leidenschaftlich gerne in der Garage am Schrauben ist. Seien es Vespas, das Model A, Autobianchi oder das 220S Coupe und Cabrio von seinem Dad. Einen hilfreichen Rat kann man sich von einem Ingenieur immer abholen und so hat sich neben der familiären Vater/Sohn Beziehung auch noch eine lange Schrauberfreundschaft ergeben.

Ford Model A Lenkrad, Rat Fink, Shifter, Schalthebel

Original 20er Jahre trifft auf Kustom 60er Jahre. Gesteuert wird mit dem Ford Model A Lenkrad von 1929 – geschalten wird mit Hilfe von Ed Roth’s legendärem Rat Fink.

Im September 2014 begann nun das große Werk. Ein Aspekt der für Lukas von Anfang an Ausschlaggebend war, ist die Optik. Es sollte einfach alles zusammenpassen. Alle Teile wurden entweder als NOS (New Old Stock) besorgt oder wenn das nicht geklappt hat, als Neuteile patiniert wurden, so dass sie optisch zum Gesamtbild des Wagens passen. Von Salz- und Phosphorsäure, bis hin zu Altöl und Schuhcreme in Verbindung mit einem Bunsenbrenner und passende Lacke finden, die schnell in der Sonne ausbleichen war alles dabei um ein rundes Ergebnis zu erzielen. Wohlgemerkt, wir sprechen hier nicht von künstlicher Patinalackierung mit Lackrost und solchen unnötigen Modeerscheinungen, sondern um die optische Altersangleichung mancher Bauteile an den Rest des Fahrzeugs. 

Angefangen hat Lukas mit der Elektrik, die zeitgemäß mit Baumwollkabeln aufbereitet wurde. Die Blinker (inkl. einer Warnblinkanlage) wurde vorne an den Rahmenspitzen verbaut. Hinten blinken die Bremslichter. Ursprünglich waren nur die Blinker an der B Säule geplant, diese werden jedoch in naher Zukunft entweder wieder entfernt, oder durch schöne alte Gehäuse ersetzt. Eine neue Lichtmaschine sorgt für die nötige Stromzufuhr um auch Nachts mit den verbauten H4 Scheinwerfern sehen und fahren zu können. Um dem 29er die richtige Fahrhöhe zu geben ohne optisch den Originalcharakter zu verlieren musste etwas in die Trickkiste gegriffen werden. So wollte Lukas nachdem er eine um 4“ gedroppte Vorderachse verbaute weiterhin die Gestängebremse verbaut lassen, um dies zu erreichen verlängerte er unter anderem die Springperches. Die Kugelköpfe an den originalen Lenkarmen wurden ausgebohrt und umgedreht wieder eingepresst. Somit haben die Spurstangen wieder genügend Freigang unter dem Rahmen und der Ölwanne. Um das Coupé auch hinten dem Boden näher zu bringen wurde die originale Blattfeder gegen eine 8 Blatt Model T Feder getauscht von welcher wiederum 2 Blätter entfernt wurden um eine Tieferlegung um 6,5cm zu erreichen. Auf einen Kick Up im Rahmen ist bewusst verzichtet worden um den Charakter des Wagens beizubehalten. Für die nötige Dämpfung in der richtigen Optik sorgen Single Action Lever Shocks von einem 1939er Chevy Truck die sowohl vorne als auch hinten verbaut wurden. Die Dämpfer waren nötig, da der 29er als Lukas ihn abholte schlicht und ergreifend keine hatte. 
Um die Optik dezent zu modifizieren und dem Wagen einen etwas sportlicheren Auftritt angedeihen zu lassen wurden die Seitenteile der Motorhaube entfernt und durch Lederriemen ersetzt. Außerdem verschwanden die Running Boards und die Model A Kotflügel wichen abnehmbaren, modifizierten Bulldog Kotflügel. Um dem immer noch vorhandenen Kutschencharakter abzumildern wurden die verschweißten 21“ Speichenfelgen durch einstellbare 16“ Felgen mit 52 Speichen ersetzt.

Ford Logo, Ford Emblem, Kühlerfigur, Hood Ornament, Wachtel

Die fliegende Wachtel als Kühlerfigur war als offizielles Ford Zubehör erhältlich.

Mit den bisherigen Umbauten fährt sich das Model A nun sehr gut, es liegt sauber und satt auf der Straße. Legt ein angenehmes Lenkverhalten zu Tage und bremst bei Bedarf auch mit der alten mechanischen Bremse richtig ordentlich. Seit der Zulassung hat es nun schon 4000km auf der Uhr, unter anderem fuhr Lukas den 29er auf einem großen Trip über die Alpen zum Comer See. Bis auf eine Schraube im Bellhousing der Kupplung, die da schon einige 1000 km lag und sich gelöst hatte, hat der Ford alles gut überstanden.

 Lediglich der Geschwindigkeitsrekord liegt noch in weiterer Ferne, doch auch hierfür wird bald Abhilfe geschaffen, denn Lukas hat bereits einen zweiten 4-Banger Motor zu Hause liegen. Dieser bereits 50PS starke 4 Zylinder aus dem Model B soll über den Winter mit Speed Head (6,5:1 Verdichtung), einem 97er Stromberg Vergaser, Split Headers, schärferer Nockenwelle und einstellbaren Ventile aufgebaut werden um für den nötigen Vortrieb zu sorgen. Das ganze wird dann an ein extra modifiziertes Ford Sierra 4-Gang Schaltgetriebe an die Hinterachse weitergegeben. So ausgerüstet soll es 2017 dann zum großen Ziel nach England gehen, nach Pendine Sands gehen.

Fotos & Text: Michael Schmidbauer

Technische Daten:

Marke & Model: Ford Model A Coupe (mit Rumbleseat)
Farbe: Coach Maroon
Baujahr: 1929
Motor: 201cui L-head, 4 Banger (noch Originalmotor ohne Änderungen)/40PS
Getriebe: originales 3 Speed sliding gear manual transmission
Vergaser: originaler Tillotson Model XFV
Felgen: 4,5×16“ 52 Speichen Wire Wheels (einstellbar – Speichen nicht verschweißt)
Reifen: Firestone Champion Deluxe 6×16 vorne, Firestone Champion Deluxe 7×16 hinten
Vorderachse: 4“ gedroppt
Stoßdämpfer: 1939 Chevy Single Action Lever
Blattfeder hinten: 8 Blatt Model T Feder, 2 Blätter entfernt

Galerie:

Hinweis: Auf die Bilder klicken um sie zu vergrößern!

1929 Ford Model A, Model T Nachfolger
Das Ford Model A war das erste wirklich neue Model von Ford seit knapp 19 Jahren. Es löste das legendäre Model T ab, welches über die Jahrzehnte jeweils nur minimal verändert wurde. Das Design des Model stammte von Edsel Ford und Joe Galamb und basiert auf einem verkleinerten Lincoln.
1929 Ford Model A, Seitenansicht
Verstecken musste sich das Ford Model A gewiss nicht vor der Konkurrenz. 1928 eingeführt, wurde am 4 Februar 1929 der Millionste und bereits am 24 Juli 1929 der 2-Millionste produziert.
1929 Ford Model A, Ranch, Hollertau
Das 1929 Ford Model A Coupé in seiner natürlichen Umgebung: Einer Ranch auf dem Land. Diese Ranch hier ist allerdings nicht in den USA, sondern in der Hallertau zu finden.
1929 Ford Model A, Fenderless, Stance
Stance is everything. Das gilt auch für Pre-War Hot Rods, hierbei geht es dann aber selbstredend nicht darum den Wagen möglichst flach auf den Boden zu bekommen, wie es erst später Mode geworden ist.
1929 Ford Model A, Farbe, Lackierung, Maroon, Thorne Brown
Die Farbe des Model A ist an einen originalen Ford Farbton angelehnt. Allerdings war 1929 in dieser Serie kein Maroon Red erhältlich, am ähnlichsten war wohl das Thorne Brown.
1929 Ford Model A Motor, 201cui L-Head, 4-Zylinder, 4 Banger
Der 201cui große 4 Banger mit L-head ist der Originalmotor und leistet rund 40 Ps.
1929 Ford Model A Schiwegermuttersitz, Rumble Seat
Lukas' nimmt auch mal gerne auf dem Schwiegermuttersitz im Kofferraum des Ford Model A platz. In Amerika heißt diese optionale Freiluftsitzbank schlicht und einfach rumble seat.
1929 Ford Model A, Lukas am Steuer
Lukas am Steuer seines 1929 Ford Model A Coupés. Der Wagen ist im Stil eines frühen Hot Rods mit 4-Banger aufgebaut.
1929 Ford Model A, Kühlergrill
Das Model A trägt seinen originalen Kühlergrill von 1929, oft werden sie durch ein Pendant von 1932 ersetzt.
1929 Ford Model A, Fahrhöhe, Firestone Diagonalreifen
Um die Optik eines Pre-War hot Rods zu erhalten, wurde das Ford Model A von 1929 nur geringfügig modifiziert. Das Dach wurde nicht gechopt, die Karosserie nicht gechannelt. Auf den ersten Blick fehlen lediglich die Kotflügel und die seitlichen Motorhaubenabdeckungen.
1929 Ford Model A, Dachhöhe
Bis in die frühen 30er Jahre hinein war den Karosserien noch deutlich deren Ursprünge im Kutschenbau anzusehen.
Ford Logo, Ford Emblem, Kühlerfigur, Hood Ornament, Wachtel
Die fliegende Wachtel als Kühlerfigur war als offizielles Ford Zubehör erhältlich.
1929 Ford Model A Kühlergrill, Ford Logo, Kühlerfigur, Hood Ornament
Das Ford Model A war 1928 der erste Ford, der das bis heute Bekannte blaue Oval als Firmenlogo trug.
4,5x16“ 52 Speichen Wire Wheels
Die Firestone Diagonalreifen wurden auf 4,5x16“ 52 Speichen Wire Wheels montiert. Schön zu sehen: Der freie Blick auf den 4-Banger Motor
Firestone Champion Deluxe 6x16, Diagonalreifen
An der Vorderachse des Hot Rods wurden Firestone Champion Deluxe 6x16 Diagonalreifen aufgezogen.
Firestone Champion Deluxe 7x16 hinten, Diagonalreifen
An der Hinterachse rollt das 1929 Ford Model A auf Firestone Champion Deluxe 7x16 Diagonalreifen.
Royal Crown Pomade, Zündspule
Die Zündspule verbirgt sich hinter der Verpackung einer Royal Crown Pomade.
Motorhaube, Haubenhalterung, Kühlerfigur, Hood Ornament, 4-Banger
Die seitlichen Teile der Motorhaube wurden entfernt und durch Lederriemen ersetzt. So ist der Blick auf den 4-Banger frei.
Ford Model A Lenkrad, Rat Fink, Shifter, Schalthebel
Original 20er Jahre trifft auf Kustom 60er Jahre. Gesteuert wird mit dem Ford Model A Lenkrad von 1929 - geschalten wird mit Hilfe von Ed Roth's legendärem Rat Fink.
Wegbier, Urban Chestnut, Zuagroast, Pale Ale
Für den Beifahrer gibt es stets ein leckeres Wegbier - in einer passenden Tasche aufbewahrt und in der klassischen bayerischen Bierflasche serviert. In diesem Fall das Zuagroast Pale Ale von der Urban Chestnut Brauerei aus Lukas' Heimatregion, der Hallertau.
Ford Model A Lenkrad, Zündverstellung, Handgas, Hupknopf, Lichtschalter
Multifunktionslenkrad im Ford Model A von 1929: Der rechte Hebel ist für die Hand- und Standgasverstellung. Der linke Hebel die Zündverstellung. In der Mitte ist der Lichtschalter und die Hupe integriert.
Remove before flight, Amaturenbrett Ford Model A
Ein "Remove before flight" Schlüsselanhänger ist nicht nur bei Flugzeug- sondern auch bei Model-A-Piloten beliebt!

Infos zum Model:

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