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„Hawaii Flat’i“
1931 Ford Model A Roadster

by Michael Schmidbauer

Wie die meisten Leser sicher schon mitbekommen haben, beginnen viele meiner Storys mit einem Ausblick auf das liebe Wetter. Manche Fragen sich vielleicht, warum das so ist. Ich kann es euch ganz einfach beantworten: Das Wetter ist ausschlaggebend für das, was wir machen. Je nach Story kann man schon mal im Trüben arbeiten oder auf eine Indoor-Location ausweichen und sich damit vom Wetter unabhängig zu machen; bei anderen wiederum ist es sogar essenziell, gutes Wetter zu haben.

Flo Ebenbeck in seinem Ford Model A Roadster

Flo Ebenbeck in seinem Ford Model A Roadster

Bei einem Cabrio oder Roadster zum Beispiel ist es einfach das i-Tüpfelchen für alle Beteiligten, wenn die Sonne auf uns herunterlacht und den Lack und das Chrom blitzen lässt. Davon profitieren nicht nur wir im Moment des Shootings, sondern im Endeffekt auch die werte Leserschaft, wenn sie die Bilder sieht. Kurzum, es macht einfach mehr Spaß bei schönem Wetter. Besonders viel Spaß macht es außerdem, wenn das Objekt, das abgelichtet werden soll, bis in die Details perfekt aufgebaut wurde.

Der erste Kontakt beim Headbanging in Finsterwalde

Ein solches Meisterstück stand schon länger auf meiner Liste, aber leider hatte es sich bislang nur nie ergeben: Es handelt sich um einen 1931 Ford Model A Roadster. Ich traf Flo Ebenbeck, den Besitzer und Erbauer, zum ersten Mal auf dem Headbanging in Finsterwalde. Schnell kam man ins Gespräch und logischerweise stand dabei der Roadster im Mittelpunkt. Als sich dann schlussendlich der Winter auch aus Bayern verabschiedet hatte und schönstem Sonnenschein sowie sommerlichen Temperaturen wich, war es an der Zeit, Flo zu kontaktieren und den Ford ins richtige Rampenlicht zu rücken. Kurz geschrieben, Termin vereinbart und nur wenige Tage später stand ich auch schon vor Flos traumhaftem alten Anwesen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Straubing in Niederbayern. Dort lebt der Werkstattmeister zusammen mit seiner Freundin und dem stilecht dazu passenden Dackel. Nebenan liegt ein kleiner Biergarten.

Idylle pur, doch bei aller Liebe zu alten Gebäuden, gutem Wetter und schöner Landschaft interessierte mich natürlich vor allem der Hot Rod und Flos Werkstatt. Für beides gibt es nur ein einziges Wort, welches beim ersten Anblick ohne groß nachzudenken ausgesprochen wird: Wow! Wow, denn hinter dem ohnehin schon sehr schönen Wohnhaus befanden sich diverse großzügige Scheunen und Hallen, in denen sich Flos Fahrzeuge ohne Zweifel wohl fühlen können. Als Werkstattmeister bei Mercedes Benz ist es nur logisch, dass sich hier auch so manch glänzender Stern präsentierte. An Platz und Style mangelt es also definitiv nicht, trotzdem ließ der Roadster noch ein wenig auf sich warten. Erst als wir hinter den Gebäuden wieder ins Freie traten, sah ich das Kunstwerk in der zweiten Hofeinfahrt stehen. Die Sonne schien und der Roadster saß glänzend und auffordernd vor dem Tor, nur darauf wartend, dass wir einstiegen und losfuhren. Gesagt, getan!

Von Hawaii in den Bayerischen Wald

Pin-up Girl von Hot & Chilli

Pin-up Girl von Hot & Chilli

Das Schöne am Landleben ist eben das Land an sich. Deshalb mussten wir nicht weit fahren, um eine schöne Location zu finden. Direkt hinter dem Haus ging es auf eine Hügelkuppe, von der aus wir auf alle Seiten hin einen guten Ausblick hatten. Rechts begann bereits der Bayerische Wald, links lag das Donautal. Dazwischen ein Fahrzeug, das die Sonne gewohnt ist, ja sogar benötigt. Denn kein anderer als der 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika war die ursprüngliche Heimat des 31er-Fords, kurz gesagt: Er kam direkt aus Hawaii, genauer gesagt aus dessen Hauptstadt Honolulu. Daher auch der Name „Hawaii Flat’i“, den Flo dem Roadster gegeben hat und der von Hot & Chilli mittels Airbrush-Technik auf den Kofferraum lackiert wurde. Seit 2010 ist der Wagen nun in Flos Besitz und wurde in nur eineinhalb Jahren zu dem umgebaut, was ihr hier vor euch seht. Ein mit einem Flathead angetriebenen Traum!

Einen solchen Traum hat man in der Regel nicht ohne Grund. Bei Flo fing alles während seiner Lehrzeit als Mechaniker an. Alte Mercedes’ erregten schnell sein Interesse, das bis heute kaum abgeflacht ist.

Erstkontakt mit einem US-Car

Es folgte der Einstieg in die Ami-Szene, begünstigt durch etliche Freunde, und schließlich sein erstes amerikanisches Fahrzeug, einen 1953 Chevrolet 210. Schnell wurde klar, dass etwas Älteres her musste und so kam ein 1939er-Lincoln mit Flathead-Motor in seinen Besitz. Von diesem Zeitpunkt an kristallisierte sich heraus, dass ein solcher Motor in einen Roadster eingebaut werden muss. Ein klassische Wahl, die sowohl optisch als auch akustisch immer wieder überzeugt. An der Leistungskurve dieses frühen Serien-V8s musste selbstredend geschraubt werden, wollte man vorne mitspielen.

Erste Wahl: Ein Ford Flathead V8

Doch zunächst startete Flo mit einem seriennahen 3,6-Liter-Flathead, der jedoch schon Ende 2013 einer mit Hilfe eines Big Bore Kits von Scat auf knappe fünf Liter aufgebohrten Version weichen musste. Die Idee hinter dem neuen Motor war, dass man einen Flathead auf Leistung bringt, ohne ausschließlich auf standardisierte und vorhandene Teile zurückzugreifen. So ging er zusammen mit Udo Kuklau von Hot & Chilli daran, eine eigene Ansaugbrücke zu konstruieren, auf der 4-Weber-Vergaser thronen. Das Schwungrad wurde erleichtert, der Kurbeltrieb feingewuchtet, größere Ventile verbaut und die Ein- und Auslässe bearbeitet. Das Ganze wurde mit einer Schneider-Racing-Nockenwelle, bearbeiteten Edelbrock-Köpfen und einer Vertex-Magneto-Zündung garniert.

Deutscher Ford Flathead-V8, ca. 5 Liter Hubraum, 170 PS
, Scat Big Bore Kit
, Bohrung 3 5/16

Deutscher Ford Flathead-V8, ca. 5 Liter Hubraum, 170 PS
, Scat Big Bore Kit
, Bohrung 3 5/16″
, Hub: 4 1/4
“
, Edelbrock Köpfe, Weber Vergaser

Gelungene Leistungssteigerung

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: glatte 170 PS leistet das Aggregat nun, eine gewaltige Leistungssteigerung, wenn man bedenkt, dass die originalen 221cui-Flatheads zwischen 65 und maximal ca. 90 PS leisteten. Um die zusätzlichen Pferde vernünftig auf die Straße zu bringen, musste so einiges an Fahrwerk und Fahrgestell verbessert werden. So wurde zuerst der originale 1931er-Ford-Rahmen geboxt, um in stabiler zu machen. Als Vorderachse verbaute Flo eine 4-Zoll-Bell und am Heck eine Banjo-Hinterachse eines 1936er-Fords mit langer Übersetzung. Geschaltet wird manuell mit einem manuellen Dreiganggetriebe eines 1939er-Fords und einer McLeod-Kupplung. Mehr Leistung am Antriebsstrang bedeutet in der Regel immer, dass die Bremsen ebenfalls mehr Dampf benötigen. Daher wurden vorne Ford-F100-Bremstrommeln verbaut, die durch eine zusätzliche Belüftung von Hot & Chilli verbessert wurden.

Banjo Lenkrad und originale Ford Model A Armaturen

Banjo Lenkrad und originale Ford Model A Armaturen

Ein traditioneller Hiboy 1931 Ford Model A Roadster entsteht

Optisch orientierte sich Flo an klassischen Vorbilder. Der Wagen ist ein traditioneller Hiboy mit nicht gechannelter Karosserie und einer schlichten Zweifarblackierung in Beige und Braun, die die Karosserieformen besonders betont. Der Innenraum behielt ebenfalls den klassischen Charme mit dem originalen Instrumententräger, der nur durch extern angebrachte Zusatzinstrumente ergänzt wurde, und der stimmigen rötlich-braunen Lederausstattung. Der Aufwand, diesen Traum zu verwirklichen, hat sich wie man deutlich sieht, gelohnt. Der 31er ist eine wahre Augenweide und spätestens, wenn man ihn fahren sieht oder das Glück hat, eine Runde mitfahren zu dürfen, wird auch klar, dass es durchaus reizvoll ist, einen Flathead mit einem deutlichen Plus an Leistung zu versehen. Flo hat mit dem Wagen bereits so manches Rennen bestritten und erlangte zum Beispiel auf dem Headbanging in Finsterwalde den zweiten Rang in der Flathead-Klasse. Was kommt als nächstes?

Auf alle Fälle wieder ein Flathead, möglicherweise mit Supercharger

Flo Ebenbeck

Irgendwie freue ich mich jetzt schon und sollte auch dieser Traum in Erfüllung gehen, werden wir euch auf alle Fälle darüber berichten.

Fotos & Text: Michael Schmidbauer

Technische Daten: 1931 Ford Model A Roadster „Hawaii Flat’i“

Baujahr 1931

Marke Ford

Model Model A
Ausführung Roadster

Rahmen 1931 Ford geboxt

Motor Deutscher Flathead-V8 (ca. 5 Liter Hubraum, 170 PS)
, Scat Big Bore Kit
Bohrung 3 5/16

Hub 4 1/4
Köpfe Edelbrock (bearbeitet)

Nockenwelle Schneider Racing Cam
, größere Ventile
, Ein- und Auslässe bearbeitet
, Schwungrad erleichtert
, Kurbeltrieb feingewuchtet

Kupplung McLeod Racing
Zündung Vertex Magneto
Vergaser 4 x Weber
Ansaugbrücke Eigenanfertigung durch Hot & Chilli (Udo Kuklau)
Getriebe 1939 Ford 3-Gang-Schalter

Vorderachse 4″ Bell
Hinterachse 1936 Ford Banjo, lange Übersetzung
Felgen vorne 16″ Lincoln
Reifen vorne Firestone 5.50×16, Coker Tire
Felgen hinten 16″ Lincoln, verbreitert
Reifen hinten Firestone 7.00×16

Bremsen vorne Ford F100 mit Belüftung (Hot & Chilli)

Bremsen hinten 1931 Ford
Scheinwerfer 1936 Ford
Rückleuchten 1950 Pontiac


Weitere Infos zum 1931 Ford Model A:

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